Georg Günsberg | Politik- und Strategieberatung | Franz Josefs-Kai 27,  A-1010 Wien | office@guensberg.at

Politikkongress ’09 in Berlin: #unibrennt ist internationales Vorzeigebeispiel einer politischen Bewegung

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Wie schon in den vergangenen Jahren bin ich auch heuer wieder beim Politikkongress in Berlin, einem der Szenetreffs für Politikberater und politische Kommunikatoren – mit starkem Bezug zwar zur deutschen Innenpolitik, aber eben nicht nur.

politikkongress_unibrenntEin kurzes, schnelles Posting zur diesmal bereichernden Keynote Speech von Prof. Peter Kruse, während diverse Auslands- korrespondenten Erwartungshaltungen an die deutsche Regierung diskutieren (was mich nicht soooo interessiert).
Prof. Peter Kruse ist geschäftsführender Gesellschafter der nextpractice GmbH in Bremen und  Honorarprofessor für Allgemeine und Organisationspsychologie an der Universität Bremen. Der Titel seines Vortrags lautet „Die Magie emotionaler Resonanz: Agenda Setting durch kollektive Akteure“.

Klar, das Web ist Thema und wie es politische Organisation und Kommunikation massiv verändert und verändert hat. Ein paar kurze Streiflichter – subjektiv aus meiner Sicht ausgewählt und kontextualiert (wie alles im Leben):

  • Eh klar: massives und extrem rasches Wachstum der Beteiligungsmedien wie Facebook, Twitter und Co. Es wird differenziert zwischen dem ersten Zugangsboom (erinnere „Bin ich drin?“ von Boris Becker) zwischen ’98 und 2003 und dem Beteiligungsboom in den vergangenen 3-4 Jahren.
  • Was 1999 im Cluetrain Manifesto proklamiert wurde, wird jetzt Realität.
  • Viele deutsche Politiker sind sehr weit weg vom Internet.  Siehe:

  • Kruse bringt viele Beispiele. Wie Jack Wolfskin, Obamas Mobilisierungsspot, das nicht funktionierende Plagiat von Guido Westerwelle etc. Einige wenige Beispiele sind nicht ganz gut gewählt. So meine ich, dass z.B. Susan Boyle kein Produkt der sozialen  Netzwerke ist, sondern des Fernsehens. Aber Kruse hat den absolut entscheidenden Punkt für Politikkommunikation identfiziert:
  • Es geht um die Resonanzfähigkeit und emotionale Anbindung eines Themas. Empathie wird zur Schlüsselkompetenz (dazu ein andermal mehr).
  • Politische Bewegungen im Netz sind nicht nur eine Jugendbewegung, sondern greifen über viele Altersrgruppen hinweg.
  • #unibrennt ist DAS Paradebeispiel für eine erfolgreiche politische Bewegung. Kruse hat die Entwicklung nachskizziert, inkl. dem Übergreifen auf Universitäten in ganz Europa. Man kann sagen was man will, die Bewegung ist von Wien ausgegangen und z.B. in Deutschland nicht ohne politischen Erfolg geblieben.
  • Die repräsentative Demokratie und ihre herkömmlichen institutionellen Vertreter stecken in einer Krise. Die Machtmuster ändern sich derzeit. Neue Macht formiert sich. Im und durch das Netz.
  • Transparenz wird zur faktischen, selbstverständlichen Notwendigkeit, nicht zum Luxus. Taktisches Kommunizieren kann zum Bumerang werden.
  • Partizipation ist DAS große Thema der Zeit.
  • Kenntnis der emotionalen Resonanz wird zum entscheidenden Faktor.

So weit, so kurz.

Titelbild von #unibrennt lizenziert unter CC BY-NC-SA 2.0.
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