Neuer Bericht zur Carbon Bubble analysiert fossile Investitionen und CO2-Potenzial österreichischer Publikumsfonds


Making finance flows consistent with a pathway towards low greenhouse gas emissions and climate-resilient development.” Diese explizite Zielformulierung in Artikel 2, Absatz 1 (c) des am 4. November 2016 in Kraft getretenen Pariser Abkommens ist wenigen bekannt. Die Umsetzung des UN-Klimavertrags, welcher das Ziel verfolgt, die globale Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen (und Anstrengungen zu unternehmen, möglichst unter einem Temperaturanstieg von 1,5 Grad zu bleiben), hat nicht nur Rückwirkungen auf die tiefgreifende Transformation der Energieversorgung, sondern auch auf viele andere Wirtschaftsbereiche, wie etwa die Finanzmärkte.

Seit einigen Jahren läuft die Debatte darüber, wie sehr die Finanzbranche vom Risiko des Klimawandels aber auch der Transformation der Energiemärkte („Transitionsrisiko“) betroffen ist. Ein neuer Bericht versucht nun auch in Österreich diese Debatte voranzutreiben, indem eine aktuelle Übersicht über internationale Entwicklungen in der „Carbon Bubble“-Diskussion rund um Risiken und Klimaverträglichkeit von Finanzprodukten geschaffen wird und das Carbon Exposure sowie das kalkulierte CO2-Emissionspotenzial des Fondsangebots österreichischer Kapitalanlagegesellschaften analysiert wird.

Foto Angie Rattay

Foto Angie Rattay

Zusammengestellt wurde der Bericht von einem Team von Günsberg Politik- und Strategieberatung, ESG Plus und Green Alpha. Unterstützt wurden die Aktivitäten vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft. Im Rahmen einer Veranstaltung am 10. Mai 2017 im Impact Hub wurden die Ergebnisse vorgestellt. Als internationale Gastrednerin brachte Sian Ferguson, Trust Executive des Sainsbury Family Charity Trusts, die Asset Owner-Perspektive ein, die zunehmend auf Divestment setzt, und stellte die Aktitiväten von Divest-Invest Europe vor.

Mehr Transparenz notwendig

Die im Rahmen der Untersuchung durchgeführte Analyse des österreichischen Fondsmarkts hinsichtlich riskanter fossiler Investitionen und der damit verbundenen finanzierten langfristigen CO2-Emissionswirkung konzentrierte sich ausschließlich auf die aus der Perspektive von KonsumentInnen relevanten Publikumsfonds. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund erfolgt, dass wir auf Basis bisheriger Gespräche mit Marktakteuren aber auch mit Anlegern den Eindruck gewonnen haben, dass kaum ein Anleger weiß, welche Unternehmen genau im Portfolio des jeweiligen Fonds vorkommen und wie diese den Klimawandel vorantreiben. Mit über 500 untersuchten Aktien-, Anleihen- und Mischfonds unterschiedlicher Größe und Ausrichtung wurde rund ein Viertel aller von österreichischen KAGs gemanagten Investmentfonds und knapp 40 Prozent des Gesamtmarktvolumens erfasst. Die Basis für die Auswertungen bildeten die jeweils jüngsten verfügbaren (Halb-)Jahresberichte der Fonds (Zeitraum der Stichtage: 27.6.2015-31.8.2016, wobei sich lediglich 23 der 506 Berichte auf Stichtage vor dem 31.12.2015 bezogen). Zum Zeitpunkt der Erhebung verfügten rund drei Viertel aller untersuchten Fonds über Veranlagungen im Fossilbereich. Von diesen 375 mit einem „Carbon Exposure“ verbundenen Investmentfonds wurden 248 Fonds mit einem Gesamtvolumen von 33,4 Milliarden Euro einer vertieften quantitativen und qualitativen Analyse ihrer fossilen Assets unterzogen (nicht erfasst wurden sog. Dachfonds). Demnach sind solche Fonds im Durchschnitt mit 5,9 Prozent ihres Vermögens unmittelbar in Unternehmen des Kohle-, Öl- und Gassektors und weiteren 1,9 Prozent in hiervon abhängige Zulieferbetriebe und Energieerzeuger („Utilities“) investiert.

Hier die Übersicht zum Carbon Exposure (zum vergrößern klicken):

Carbon-Exposure

Das hierdurch anteilig finanzierte Emissionspotenzial aus (ausschließlich!) den fossilen Reserven dieser Unternehmen summiert sich im Sample auf rund 128 Millionen Tonnen CO2 – was etwa den laufenden Treibhausgasemissionen Österreichs von 20 Monaten entspricht. Hierbei ist wichtig anzumerken, dass es sich um ein Potenzial handelt, das erst dann zu Emissionen führt, wenn die den Unternehmen zugerechneten fossilen Reserven tatsächlich genutzt werden. Dies ist jedoch – siehe Carbon Bubble – bei Einhaltung des Pariser Klimaabkommens weitgehend nicht möglich. Dann werden weit über 80% der nachgewiesenen Kohlereserven und über zwei Drittel der bekannten Öl- und Gas-Reserven im Boden bleiben müssen. Stranded Assets werden die Folge sein.

CO2_potenzial

Weitere Details der Untersuchung werden in Kürze auf diesem Blog vorgestellt und sind in den Abstracts und in der Langfassung des Berichts ausführlich beschrieben:

Kurzfassung deutsch

Kurzfassung englisch

Gesamtbericht (dt.)