Georg Günsberg | Politik- und Strategieberatung | Franz Josefs-Kai 27,  A-1010 Wien | office@guensberg.at

Knapp daneben… ist manchmal weit am Ziel vorbei

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Die aktuelle Inseraten-Auseinandersetzung zwischen Wiener FPÖ und Wiener SPÖ erweckt auch mein Interesse. Max Kossatz stellt auf  Wissen Belastet im heutigen Posting zwei Inserate gegenüber. Ich hab mich gestern schon bei der Lektüre der Kronen Zeitung geärgert. Und zwar über das Inserat der Wiener SPÖ:

knapp_danebenIch verstehe nicht, welches Ziel dieses Bild verfolgt. Okay, die Botschaft ist ein Statement gegen HC Strache. Das Bild mit dem Kreuzeck soll wohl die Assoziation Fußball wecken und damit Interesse bei bestimmten Zielgruppen generieren (?). Möglicherweise ist das ein Hinweis, dass vor allem Jugendliche die Adressaten sind. Man denke nur an die hohe Szenezugehörigkeit Jugendlicher zum Thema „Fußball“.

Aber für wen macht man so ein Inserat?

Option 1:  Für die substantielle Schnittmenge zwischen SP/FP-WählerInnen?

Die werden aber durch dieses Bild von gar nichts überzeugt. Es gibt null inhaltliche Botschaft, was denn an Strache schlecht sei. Und zu glauben, dass man das den WählerInnen im gemeinsamen SP/FP-Potential nicht erläutern müsse, ist schlicht falsch. Und wie gesagt, das gemeinsame Potential ist quantitativ nicht unerheblich.

Option 2: Für SP-SympathisantInnen oder Personen aus dem Rot/Grün-Potential mit dem Ziel, vorhersehbare Zustimmung (weil gegen Strache) zu erzielen?

krone_wahlverhaltenDie erreiche ich aber über die Kronen Zeitung kaum. Ich erinnere nur an die Auswertung nach der Nationalratswahl, wen Kronen Zeitung-LeserInnen wählen. Genau hier würde die Kampagne SP-FP-WählerInnen erreichen. Insofern ist das Inserat aber falsch platziert, denn – siehe oben – genau dafür biete ich keine Botschaft.

Ich glaube immer noch, dass die Antwort auf die FPÖ eine inhaltliche und zugleich emotionale sein muss. Insbesondere jugendliche WählerInnen, die derzeit stark von der FPÖ vereinnahmt werden, brauchen klare Antworten, die zeigen, dass die FPÖ überhaupt kein substantielles Konzept hat, sondern nur Sündenböcke für soziale Probleme bietet.  Nicht alle davon sind rechtsaußen sozialisiert, sondern werden derzeit – offenbar mangels Alternativen – zur FPÖ verleitet. Es wäre Aufgabe insbesondere der SPÖ, aber auch der anderen Parteien, hier zu antworten.

Ein zweites Beispiel ist das FPÖ-Coverinserat im Bezirksjournal für die „Freiheitlichen Arbeitnehmer“. Die Botschaften sind Förderung der Lehrlingsausbildung, Freifahrt für Berufssschüler, aktives und passives AK-Wahlrecht ab 16 usw. So blöd es klingt: die bieten zielgruppenadäquaten Inhalt.

unter_30Die Daten der WählerInnengruppe der „Unter 30-Jährigen“ haben bewiesen, wie erschreckend schwach die SPÖ in diesem Segment geworden ist und dass ihre Jugendkampagnen offenbar ihre Zielgruppen nicht erreichen; zugleich ist die FPÖ genau in diesem Segment stark.

Die Antwort darauf muss Substanz bieten, nicht nur ein weitgehend  inhaltsleeres Motiv.

Titelbild von Andreina Schoeberlein lizenziert unter CC BY-NC-ND 2.0.
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