Georg Günsberg | Politik- und Strategieberatung | Franz Josefs-Kai 27,  A-1010 Wien | office@guensberg.at

Fossiles Business-Modell am Ende? Der Öl- und Gassektor nach dem Pariser Klimaabkommen

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Derzeit ist ein interessanter Trend bei Aktionärs-Hauptvesammlungen internationaler Öl- und Gaskonzerne zu beobachten. Das Pariser Klimaabkommen hinterlässt seine Spuren. Immer mehr Shareholder fragen: Ist die Strategie der Konzerne mit dem Zwei-Grad-Ziel und dem Pariser Klimaabkommen vereinbar? Vereinfacht lautet die Antwort: nein! Abgesehen von einzelnen Beispielen bauen die meisten Unternehmen – trotz herber Verluste und Abschreibungen in den letzten Jahren – auf steigenden fossilen Energiebedarf. Im Auftrag von Greenpeace Österreich und in Kooperation mit dem deutschen Energiemarktexperten Steffen Bukold arbeiteten wir ein Dossier im Vorfeld der OMV-Hauptversammlung aus, das auf Basis sehr aktueller Analysen und Studien kritisch die aktuelle Strategie des österreichischen Mineralölkonzerns beleuchtet. Folgender Gastkommentar zur Lage der Öl- und Gaskonzerne ist heute in der Wiener Zeitung erschienen. Unten angehängt sind noch die Links zu einigen Quellen und Artikeln nach der Pressekonferenz mit Greenpeace.

Fossile nach dem Pariser Klimaabkommen: Die OMV braucht einen neuen Kurs.

Der fossile Energiesektor ist derzeit im Umbruch. Massive Umsatzeinbußen, hohe Abschreibungen und ein deutlicher Rückgang der Neuinvestitionen infolge des Ölpreisverfalls belasten die Bilanzen der viele Jahre profitverwöhnten Unternehmen. Die aktuellen Hauptversammlungen börsennotierter Öl- und Gaskonzerne machen deutlich, dass auch von anderer Seite mehr Druck kommt. Ob bei Exxon, StatOil oder bei der OMV: Immer mehr Shareholder verlangen von den fossilen Energiekonzernen Strategien, die mit dem Klimaabkommen von Paris in Einklang stehen. Wird das Ziel der internationalen Staatengemeinschaft ernst genommen, die Erderwärmung auf ein beherrschbares Maß von deutlich unter zwei Grad Celsius und möglichst unter 1,5 Grad zu begrenzen, ist der Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger notwendig. Dafür ist es unabdingbar, weite Teile der bekannten förderbaren fossilen Ressourcen ungenutzt im Boden zu belassen. Laut Berechnungen etwa der Internationalen Energieagentur muss spätestens ab 2020 der Ölverbrauch sinken.

Das Ende des alten Geschäftsmodells

Die globale Weltwirtschaft ist unbestrittenermaßen noch immer stark abhängig von Erdöl. Aus Sicht vieler Ölkonzerne bleibt alles beim Alten: Business-as-usual mit veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen, aber global steigender Nachfrage. Aus Perspektive der Klimaziele ist aber ein Absinken der Nachfrage nach Erdöl zentral. Nicht nur das Ausmaß, sondern auch das Tempo der Emissionsreduktion ist dabei entscheidend. Im Mobilitätsbereich – immerhin für zwei Drittel des globalen Erdölkonsums verantwortlich – kündigt sich durch die Elektromobilität bereits eine Revolution an, welche die scheinbar selbstverständlich anhaltende Ölabhängigkeit in Frage stellt. Infolge des Ölpreiscrashs ist der Aktienwert der 300 größten börsennotierten Öl- und Gasunternehmen seit Mitte 2014 um knapp 40 Prozent gesunken. Seit Jänner 2015 sind 67 größere Öl- und Gas-Förderunternehmen in die Zahlungsunfähigkeit geschlittert. Die Hoffnung der Ölbranche, dass die aktuelle Tiefpreisphase nur Teil eines wiederkehrenden Zyklus ist, könnte sich als Trugschluss erweisen.

Auch für die OMV gilt: Transformation oder Untergang

Die OMV hat ihre Preisprognosen mittlerweile deutlich angepasst und die Werte nach unten revidiert. Ein erster Schritt. Doch die Kernfrage wird sein: Versteht sich Österreichs größter Mineralölkonzern (und sein zu 31,5 Prozent staatlicher Eigentümer) in der Klimafrage als Teil der Lösung oder als Teil des Problems? Die aktuelle Strategie der Konzernführung lässt Letztgenanntes befürchten. Während einige Ölkonzerne wie der dänische Konzern Dong Energy oder auch Shell und Total verstärkt in erneuerbare Energie investieren, spielt dies für die OMV nur eine marginale Rolle. Dabei bietet die Transformation des Energiesektors auch für die fossile Energieinfrastruktur neue Möglichkeiten. Unter dem Stichwort „Sektorkopplung“ wird die Integration von Strom, Wärme und Mobilität auf Basis erneuerbarer Energie eines der zentralen Infrastrukturprojekte der Zukunft sein. Dafür braucht es jetzt entsprechende Weichenstellungen. Denn ohne Anpassung an die Erfordernisse der Zukunft droht der Tanker samt seiner Assets zu stranden.

Interessante aktuelle Quellen und Links:

Auszug aus der Berichterstattung zur Pressekonferenz mit Greenpeace:

Titelbild von Andy Ciordia lizenziert unter CC BY-NC-ND 2.0.

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