Georg Günsberg | Politik- und Strategieberatung | Franz Josefs-Kai 27,  A-1010 Wien | office@guensberg.at

Faktencheck Energiewende

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Kürzlich wurde der „Faktencheck Energiewende“ präsentiert, den wir im Auftrag von Klima- und Energiefonds und Erneuerbare Energie Österreich ausgearbeitet und koordiniert haben. Berichte im Standard, Kurier, im Ö1-Morgenjournal und an unerwarteter und ehrenwerter Stelle in der Presse am Sonntag sowie viele unmittelbare Reaktionen zeigen das enorme Interesse. Ich möchte an dieser Stelle kurz die Überlegung zu diesem durchaus neuartigen Format erläutern und warum einige Argumente wenige Wochen vor dem für die europäische Klima- und Energiepolitik möglicherweise entscheidenden EU-Rat besonders wichtig erscheinen. Auf einzelne Teile werde ich noch in Folgepostings eingehen.

Was ist der Faktencheck Energiewende?

Der Faktencheck greift einige jener Argumentationen der Klima- und Energiediskussion auf, die aktuell den Diskurs dominieren. Kaum eine Woche vergeht, wo nicht insbesondere Interessensvertreter unterschiedlicher Branchen und Sektoren die Standortbedrohung durch Klimaschutz an politische Entscheidungsträger und Medien adressieren – mit dem Ziel, ambitionierte Klimaschutzziele zu verhindern. Das ist legitim, aber ist es auch richtig?

Der Faktencheck beleuchtet auf fachlicher Ebene diese Argumente und zeigt datenbasiert eine andere Perspektive. Jene, die Klimaschutz und die Energiewende wie in anderen Teilen der Welt einerseits als Notwendigkeit aber andererseits auch als enorme Chance begreifen. Die einen Strukturwandel vorantreiben, der Europa und insbesondere Österreich nicht als Billigstandort definiert, sondern idealerweise als Hort für ressourcenschonende Technologien und Prozesse, für Qualität, Innovation und Kompetenz. Dafür sollen Klimaziele und die entsprechenden Instrumente Vorgabe und Anreiz sein.

Der Faktencheck geht ausführlich auf die inhaltliche Dimension der Diskussion ein – von Europas Klimaverantwortung durch die kumulierten (!) Treibhausgasemissionen (nur jene sind für das Klima relevant), über die zurückgehenden Investitionen in Clean Energy u.a. durch einen unsicheren politischen Kurs, die Gefahren einer fossilen Blase (Carbon Bubble) am Kapitalmarkt, die einseitige Betrachtung der Subventionen für unterschiedliche Energieträger bis hin zum Crash-Kurs beim sogenannten Carbon Budget. Auch die Argumente, dass die Energiewende den Strom für die Industrie deutlich steigen lässt, wird aufgegriffen. Und entkräftet.

Diskursmuster aufbrechen: Konkrete Lösungen statt Zurück in die 70/80er Jahre

Wer den Diskurs zur Klima- und Energiepolitik in den vergangenen Jahren verfolgt, wird an frühere umweltpolitische Phasen erinnert. Ein Match Industrie/Wirtschaft versus Klimaschutz/Umweltschutz wird seit rund 3 Jahren vorangetrieben. Hintergrund ist die Frage der Verpflichtung zu verbindlichen Treibhausgasreduktionszielen. Minus 40% bis 2030 (auf Basis der Emissionen von 1990) liegen derzeit am Tisch. Plus ein Ziel zum Ausbau der erneuerbaren Energieträger und der Weiterentwicklung von Energieeffizienz (mit dem Gesamtziel einer Energieverbrauchsreduktion).

Klar ist, dass die Erreichung hoher Ziele (40% sind eigentlich moderat) für unsere Gesellschaft eine beträchtliche Herausforderung darstellt. Tatsache ist aber auch, dass wenn wir die Berichte von IPCC und zuletzt auch APCC ernst nehmen, ambitionierter Klimaschutz und darauf aufbauende Energiepolitik alternativenlos ist. Denn das Leben wird in einem sich durch menschlichen Einfluss stark verändertem Klima für uns Menschen radikal anders. Maßgebliche Lebensgrundlagen sind bedroht.

Es ist wichtig, über das WIE beim Klimaschutz ausführlich zu diskutieren. Und ja, die energieintensive Industrie hat eine Sonderrolle. Entsprechende Instrumente sollten klug gewählt werden. Angesichts der Tatsache, dass der Anteil der Energiekosten am Umsatz in der österreichischen Industrie bei rund 2,5 Prozent liegt, ist offensichtlich, dass für weite Teile der Industriebetriebe die Frage des Klimaschutzes und der Energieziele keine Bedrohung ist. Für die betroffenen Betriebe in Segmenten wie Stahl, Zement, Teile der Chemieindustrie et al, ist ein lösungsorientierter Zugang hilfreich. Also die Frage, welche Instrumente tragen dazu bei, dass in treibhausgasreduzierende Maßnamen investiert wird – ohne dass Betriebe abwandern. Wer sich genauer mit den einzelnen Unternehmen auseinander setzt, wird jede Menge an Potenzialen erkennen. Aber pauschales Bashing von Klimaschutz, wie es oft betrieben wird, bringt uns nicht weiter. Daher ist der Faktencheck auch ein Versuch der Versachlichung.

Content, interaktive Charts und Grafik-Konzept

Ein wesentliches Element des Faktencheck ist auch das grafische Konzept. In Kooperation mit Grafiker Robert Six und dem Webteam von Checkpointmedia folgen wir den Empfehlungen der auf Data Visualisation spezialisierten Experten und haben versucht, einen integrierten Ansatz aus Content, Grafik und interaktiven Elementen im Web zu realisieren. Die Aufbereitung der Daten soll dazu beitragen, einzelne Aspekte der Argumentation besser zu verstehen. 10 interaktive Charts im Web sind Ergebnis dieser Arbeit. Wie weit das in Österreich angenommen wird, wird sich zeigen. Die interaktiven Charts können jedenfalls auch in andere Plattformen eingebettet werden.

Das folgende Chart zeigt z.B. die Entwicklung der fossilen Netto(!)-Importkosten nach Österreich. Man sieht, wie sehr sich der Anstieg insbesondere des Ölpreises auch in Österreich niederschlägt. Auch wenn derzeit z.B. davon die Rede ist, dass der Öl-Weltmarktpreis sinkt (aktuell unter 90 US-$/Barrel) ist dies auch in Relation zu sehen, d.h. die Kosten sind immer noch deutlich höher als vor ca. zehn Jahren.

Der Faktencheck Energiewende ist online auf www.faktencheck-energiewende.at zu finden und kann via Klima- und Energiefonds bestellt werden.

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