Georg Günsberg | Politik- und Strategieberatung | Franz Josefs-Kai 27,  A-1010 Wien | office@guensberg.at

Energierevolution ante portas: zur Energieforschungsstrategie

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Seit einer Woche gibt es eine neue Plattform zur Diskussion der Energieforschungsstrategie. Bis 10. März kann man online ein Expertenpapier kommentieren, Meinungen einbringen etc. Eine sehr gute Idee, wie ich meine.

Die Energieforschungsstrategie wurde vom BMVIT und dem Rat für Forschung und Technologieentwicklung initiiert und folgt dem Energie2050-Prozess. Die E2050 Website ist ein Quell äußerst spannender Information. Die Energieforschungsstrategie ist auch verknüpft mit der Energiestrategie der Bundesregierung, die seit ca. einem Jahr entwickelt wird und wo bald konkrete Ergebnisse zu erwarten sind. Leider gibt es dazu recht wenig öffentliche Information, in welche Richtung die Sache geht. Aber es besteht Hoffnung, dass man neue Wege beschreitet (siehe mediale Andeutungen von BM Mitterlehner zur CO2-Steuer).

Wer das Expertenpapier liest, merkt gleich, dass hier viel Kompetenz und Erfahrung enthalten ist. Ich will – nach einem relativ schnellen Durcharbeiten der rund 60 Seiten – einige Punkte aufgreifen, die mir wichtig und diskussionswürdig erscheinen. Am ersten Blick ist nämlich vieles konsensfähig, was möglicherweise nicht grad die Diskussion stimuliert.

Daher ein subjektiver Versuch der Verdichtung. Vorab sei gesagt, dass das Papier wohl alle wesentlichen Strukturen, Instrumente und Maßnahmen genau erfasst und beschreibt. Es ist auch innerhalb dieses Rahmens durchaus konsistent.

Wir brauchen eine Energierevolution

So steht es im Expertenpapier und das ist gut so. Anlass sind u.a. die Rohstoff- und Kostenfrage (Peak Oil u.a.) und der Klimawandel. Dieses Bekenntnis ist in dieser Deutlichkeit mehr als erfreulich. Doch kommt das auch bei den politischen Entscheidungsträgern an? Die Energieforschungsstrategie könnte ein Impuls in die Richtung sein.

Mehr Budget notwendiges braucht gute Argumente in Sparpaket-Zeiten

energieforschung_ausgaben1Es wird deutlich, wie gering die Energie- forschungsausgaben in Österreich sind. Knapp über 30 Millionen Euro werden für 2007 angeführt, wobei noch ein kleiner Teil in die Kernenergie fließt (click to enlarge). Abgesehen von einem Ausreißer 2006 ist dieser Anteil in den vergangenen Jahren konstant geblieben. Es wird im Papier auch offensichtlich, wie gering der Anteil im Vergleich zu anderen Staaten ist. Die Aufstockung der Mittel wird im Papier gefordert, aber die Frage bleibt, ob der Ruf angesichts der kommenden Sparpakete gehört wird. Hier wäre eine Argumentation, warum inbesondere Energieforschung eine Investition darstellt, hilfreich.

Das Tal des Todes

Sehr richtig erkannt wird die Tatsache, dass entwickelte Technologien auf ihrem Weg zur Marktdurchdringung immer noch verhungern können, was übrigens gar nicht selten der Fall ist. Hier braucht es eine gute Verschränkung mit den bestehenden Förderinstrumenten.

Auch eine Frage der Kultur

Damit zusammenhängend: Mehrmals werden gesellschaftliche-strukturelle Punkte angesprochen, was mir spezifisch wichtig scheint. Zum einen umfasst Innovation auch soziale Innovation und nicht nur Technologie. Zum anderen ist die kulturelle Verankerung einer Technologie genau das, woran neue Energietechnologien scheitern können. Besonders die Mobilitätsfrage ist hier bedeutend. Forschung heißt nicht nur, innovative Elektromobilitäts-Technologien zu forcieren, sondern auch das Mobilitätssystem selbst und kulturelle Aspekte zu erforschen und in die Technologieentwicklung zu integrieren. Hier passiert zwar einiges, aber in der Energieforschungsstrategie könnte das noch expliziter ausgeführt werden. Richigerweise wird im Papier das eine oder andere mal auf Gemeinden verwiesen.

Auf inhaltlicher Seite wird neben dem energieeffizienten Gebäude auf die Siedlungsstrukturen verwiesen. Völlig richtig! Ein Hinweis auf Baukultur wäre ebenso gut. Es geht meiner Meinung nach um die Verknüpfung von Struktur & Kultur (siehe Initiativen wie Landluft). Auch hier ist ein Forschungsanteil enthalten.

Was noch fehlt zur Strategie…

Abschließend zum Kern und zugleich einem Resumée: Das Expertenpapier ist inhaltlich sehr gut und verdient einen genauen Blick. Aber ist es schon eine Strategie? Angesichts der geringen Mittel stellt sich die Frage, wo in Zukunft Mittel hinfließen und wo nicht. Es sind z.B. fünf Forschungsfelder zusammengefasst und danach gibt es eine Auflistung und Beschreibung aller Schlüsselfelder. Die reicht von Solarwärme über fossile Kraftwerke bis hin zur Kernspaltung. Eine Strategie sollte vor allem:

  1. den Fokus legen, wo der Schwerpunkt in Zukunft liegen wird. Wo wollen wir hin?
  2. innerhalb dessen auch inhaltliche Ziele setzen. Ein Beispiel: Dass man an der Wärmepumpe weiter forschen will, ist gut und richtig. Aber das Ziel muss auch klar sein: z.B. Jahresarbeitszahlen erhöhen – und zwar unter unterschiedichsten Bedinungen.
  3. Klarheit darüber schaffen, wo Mittel auch NICHT mehr hinfließen sollen.
  4. auch bei den Entscheidungsträgern verankert werden, die ebenso einem klaren Ziel folgen. Hoffentlich trägt die Energiestrategie dazu bei.

Einige dieser Punkte sind wohl jetzt noch zu früh, weil inhaltliche Ziele dann in dem Programm definiert werden, aber Fokussierungsbedarf sehe ich.

Beiträge und Kommentare sind nicht nur hier, sondern insbesondere auch auf Energieforschungsstrategie.at willkommen. Ich werde meine und noch etwas mehr ebenso dort posten…

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