Georg Günsberg | Politik- und Strategieberatung | Franz Josefs-Kai 27,  A-1010 Wien | office@guensberg.at

Elektromobilität: Eindrücke von der Vienna Auto Show

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Gestern nutzte ich die Gelegenheit, der Vienna Auto Show einen Besuch abzustatten. Ehrlicherweise war ich noch nie auf einer klassischen Automesse und ich wollte wissen, wie sehr die österreichischen Autohändler auf die Themen Elektromobilität und CO2-Ausstoß eingehen.

Klar ist gleich, dass die Vienna Auto Show mit den wirklich großen internationalen Automessen nicht vergleichbar ist. Dennoch wurde ein repräsentativer Überblick über Neuerscheinungen und Entwicklungen gegeben, der mir für den österreichischen Markt realistisch scheint. In Sachen Elektromobilität heißt das z.B., dass einige Anbieter ihre Elektrokonzepte vorstellen; ein echter Schwerpunkt wie bei internationalen Messen war aber bei der Vienna Auto Show nicht festzustellen. Dies entspricht wohl auch der Strategie der Händler. Einige maßgebliche Produzenten wie Renault setzen vergleichsweise früh auf Elektromobilität; der große bzw. österreichische Kernmarkt liegt aber in den kommenden Jahren definitiv bei konventionellen Antrieben bzw. fossilen Energieträgern. Und der ist für die Händler entscheidend. Der Anteil der Hybridautos ist aber ebenso weiter gestiegen.

Auch dass Kleinwagen derzeit im Trend liegen, war bei der Messe zu sehen. Ehrlich gesagt hab ich bei einigen Modellen jedoch Zweifel, ob den Verbrauchsangaben zu trauen ist. Nicht, dass 4-5 l/100 km unrealistisch sind, aber Tests zeigen, dass dies doch tendentiell idealtypische Werte sind. Vielleicht ist das aber auch nur als Indiz dafür zu werten, dass spritsparend Autofahren auch gelernt sein muss.

Dass es dennoch auch in Österreich eine Reihe von interessanten Modellprojekten gibt, ist unter anderem im Ökocenter-Blog (BEWAG), auf der Plattform saubereautos.at, im Ökoenergie-Blog (Raiffeisen Leasing) oder regelmäßig in Ökonews zu lesen.

Hier einige Beispiele der präsentierten Fahrzeuge (click pics to enlarge):

kangooRenault hatte das Kangoo Z.E.Concept als Feature. Löblich, denn obwohl in Österreich erst 2012 am Markt, stand das Modell, das ein wenig an Mac Design erinnerte, im Zentrum der Präsentation. Das Serienmodell Kangoo Express Z.E wird Renault im ersten Halbjahr 2011 als Transporter mit reinem Elektroantrieb produzieren. Der Fokus auf gewerbliche Nutzungen wirkt vielversprechend. Das Konzeptauto verfügt über einen E-Motor mit einer Leistung von umgerechnet 95 PS. Die Reichweites liegt bei 160 km. Lademöglichkeit für die Lithium-Ionen-Batterie soll es in drei Varianten geben. Daheim, in öffentlichen Ladestationen und durch Batterietausch. Ohne Batterie werden die Fahrzeuge gleich viel kosten wie die konventionelle Variante. Und naja, in Sachen Batterieanschaffung hofft man laut Renault Vertreter auf öffentliche Förderungen.

Ärgerlich find ich jedoch, dass bei alternativen Antrieben häufig von Zero Emission die Rede ist. So auch bei Renault. Das ist schlicht falsch und irreführend, denn der Strom wird bekanntlich nicht in der Steckdose produziert. Vom zusätzlichen Aufwand in einer gesamtenergetischen Betrachtung rede ich da noch gar nicht.

amperaAuch Opel hatte was in Sachen Elektromobilität bzw. Hybrid dabei. Der Ampera, der 2011 europaweit angeboten werden soll, wurde quasi hüllenlos präsentiert, sodass man den Antrieb genauer unter die Lupe nehmen konnte. Interessante Inszenierung. Eigentlich ist der Ampera ein Hybrid, der aber ausschließlich elektrisch fährt. Der eingebaute Verbrennungsmotor dient lediglich zur Aufladung der Batterie, er verlängert so die Reichweite. Den Verbrauch gibt Opel mit 1,6 l/100 km für die ersten 100 km an. Danach geht er jedoch ohne Zwischenladung signifkant in die Höhe (4,8 l/100km).

Nicht unwitzig auch, dass Opel gleich daneben ein Elektrorad präsentierte. Offenbar ist das diesbezügliche Potential auch bei Automobilherstellern angekommen.

mievMitsubishi hatte den kleinen i-MiEV, am Podium. Der ist schon in Produktion und z.B. in Japan am Markt. In Österreich und anderen europäischen Ländern kommt er im Laufe des Jahres. Der i-MiEV bietet dichtgedrängt Platz für vier Personen und hat eine Reichweite von rund 140 Kilometern. Kein Foto hab ich leider vom Mila EV Elektro-Konzept von Magna. Zu finden gibt’s dazu jedoch was im Ökonews-Bericht von der Messe.

vwAuch VW hatte was dabei, aber die Strategie schaut anders aus. VW wird mit dem E-Up erst im Jahr 2013 auf den Markt geht. Die konventionelle Up-Variante wird im Zuge der sog. New Small Family Linie jedoch schon 2011 erhältlich sein. Zur Elektrovariante des 3+1 Sitzers: Lithium-Ionen-Batterie, Reichweite bis zu 130 Kilometer. An einer der künftigen City-Stromsäulen soll die laut Konzept in gut einer Stunde auf bis zu 80 Prozent ihrer Gesamtkapazität nachgeladen werden können. Am herkömmlichen Garagenanschluss dauert das Aufladen nach Herstellerangaben maximal fünf Stunden.

Dass die Automesse auch für andere Verkehrsmittel gut genutzt werden kann, hat der Railjet bewiesen. Ich finde die Strategie, sich genau dort zu platzieren, eigentlich ganz gut. Und die Menschenschlange vor dem Eingang hat bewiesen, dass Bahnfahren auch für diese Zielgruppe attraktiv in Szene gesetzt werden kann. (Ein eher konventionelles Promo-Video dazu gibt’s hier.) Klar, dies wird andere Probleme (Fahrgastservice etc.) der ÖBB nicht lösen – wie etwa dieser heutige „Reise“-Bericht im Standard offenbart. Aber der gelungene Auftritt im Rahmen der Vienna Auto Show zeigt, welche Potentiale da sind.
railjet1
Weitere Berichte von der Vienna Auto Show sind auf Standard Online und auf SaubereAutos.at zu finden.
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