Georg Günsberg | Politik- und Strategieberatung | Franz Josefs-Kai 27,  A-1010 Wien | office@guensberg.at

Eine Frage der Begriffsdeutung: Anmerkungen zur Energie-Autarkie

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Die gestrige „Im Zentrum“-Diskussion „ÖSTERREICH IN DER ENERGIEFALLE?“, bei der Vertreter der großen Energiewirtschaftsunternehmen (OMV, Verbund) und der Industrie (Voest) gemeinsam mit Eva Glawischnig, Wirtschaftsminister Mitterlehner und Experten Franz Wirl von der TU diskutierten, zeigte wieder die Wichtigheit von Begrifflichkeiten und ihrer Deutung.

Prinzipiell ist vorauszuschicken, dass in der Diskussion einzig Glawischnig die Meinung vertreten hat, dass die Gaskrise ein weiterer Anlass für einen sehr weit gehenden, durchaus visionären Wandel in der Energieversorung sein muss. Die anderen Herrschaften haben eher eine sehr konventionelle energiepolitsche Haltung vertreten. Ein strategisch entscheidender Moment in der Diskussion war meiner Meinung nach der Begriff  „Autarkie“. An diesem haben sich – nach einem Glawischnig-Statement – gleich mehrere Diskutanten aufgehängt (Wirl, Eder, Mitterlehner etc.), um dagegen zu argumentieren. Man kann sich nicht abschotten, ist Teil internationaler Netze etc. sind die Argumente. („Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass… also wirklich… nein, das geht ja gar nicht“, wird dann milde lächelnd gestreut.)

Technisch stimmen diese Argumente alle, aber der Punkt ist, sie wurden rein taktisch verwendet, um das eigentliche Ansinnen, nämlich Österreich von den Gas- und Ölimporten unabhängiger zu machen, von der Agenda zu bringen. Diese Unabhängigkeit war dann nämlich nicht mehr im Zentrum der Debatte, was angesichts der Tatsache, dass rund 63% des in Österreich genutzten Erdgas aus Russland kommen, schade ist. Beim Öl schaut die Bilanz noch schlimmer aus.

Ein einfaches Beispiel: „So hat sich das Burgenland zum Ziel gesetzt, 100 Prozent der Haushalte mit Ökostrom zu versorgen und damit das Land in der Stromversorgung bis 2013 möglichst unabhängig zu machen.“  (Zitat Niessl 2007) Der damalige Umweltlandesrat und jetzige Umweltminister Niki Berlakovich nannte bei einer PK 2007 als langfristiges Ziel die 100 %ige Versorgung des Burgenlands mit erneuerbarer Energie – bei Strom, Wärme und Treibstoffen. Niemand glaubt bitte, dass die Burgenländer ihre Stromleitungen an der Grenze kappen werden. Strom ist genauso Handelsgut wie bislang. Es geht um den Eigen- und den erneuerbaren Anteil im Verhältnis Produktion – Verbrauch. Und nicht um Autarkie im Sinne technischer Selbstversorgung.

Das Konzept der technischen Energieautarkie gibt es zwar auch, ist aber primär im lokalen bzw. regionalen Maßstab umsetzbar und attraktiv. Alles andere ist eine Frage der Bilanzierung. Doch genau diese ist entscheidend, wenn wir über Österreichs bzw. Europas Energieversorgung reden.

Titelbild von Ian Britton lizenziert unter CC BY-NC 2.0.
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