Georg Günsberg | Politik- und Strategieberatung | Franz Josefs-Kai 27,  A-1010 Wien | office@guensberg.at

A tale of two cities: Vancouver – Vienna

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Vancouver und Wien sind einander sehr ähnlich: 2,3 Mio. Menschen leben in der Metropolitan Area von Vancouver, 1,8 Mio. in Wien – in beiden Fällen mit stark wachsender Tendenz. Beide Städte rangieren unter den Top 3 der lebenswertesten Städte der Welt (zuletzt im Ranking der Economist Intelligence Unit). Beide Stadtregierungen erkennen, dass sich der hohe Lebensstandard gepaart mit dem starken Stadtwachstum nur erhalten lässt, wenn jene Bereiche, die die Stadt aktiv gestalten kann, strategisch geplant werden. Die Bereiche Verkehr, Energie, Grünraumplanung haben wir uns hier im direkten Vergleich angesehen.

Strategien gegen den Klimawandel

Hitzewellen wie jene im vergangenen Juni haben in den Provinzen British Columbia und Alberta Waldbrände angefacht, die die Wasserreserven der Stadt leerten und die Luftqualität stark beeinträchtigten. Die Brände waren bisher der Höhepunkt einer der wärmsten Jahre seit der meteorologischen Datenerfassung. Zugleich hat die Stadt ihre Selbstverpflichtung zum Einsatz gegen den Klimawandel bekräftigt und die Halbzeit-Evaluierung ihres Green City Action Plans veröffentlicht. Vancouver setzt sich 2011 das Ziel bis 2020 die Greenest City in the World zu werden. 80% der gesetzten Ziele wurden bisher erreicht. In Wien wurde die Smart City Rahmenstrategie erst 2014 verabschiedet, erste Umsetzungsschritte sind erst am anlaufen.

Baustelle Verkehr

Im Verkehr kann Vancouver aufweisen, dass 50 % aller Wege per Rad, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden; seit 2007 ist der motorisierte Verkehr um 21 % zurückgegangen. Buslinien wurden auf elektrische Versorgung umgestellt, was den Schadstoffausstoß nachweislich reduziert hat, vor allem da neben den drei Skytrain-Linien de facto der gesamte öffentliche Verkehr auf Bussen basiert.
Im Ausbau des öffentlichen Netzes hat Vancouver hingegen einen Rückschlag erlitten. Im Frühjahr wurde in einer monatelang von Kampagnen begleiteten Volksbefragung der Ausbau der Skytrain Linien, Radinfrastruktur, der Schnell-Busverbindungen sowie wichtiger Brückenverbindungen abgelehnt. Nicht weil kein Bedarf daran gesehen wurde; die Stadt wächst stark an den Rändern wie in Port Moody, Coquitalm und Surrey und die bestehenden Verkehrsstrukturen sind bereits jetzt zu Spitzenzeiten überlastet. Doch der Ausbau des Transitnetzes sollte mit der Erhöhung der Provincial Sales Tax von 7 auf 7,5% finanziert werden. Die Taxpayers Federation hat mit einer fokussierten Gegenkampagne die öffentliche Meinung dominiert, unter anderem da dem öffentlich-rechtlichen Verkehrsunternehmen TransLink die Managementqualitäten abgesprochen wurden. Das Ergebnis der Befragung war nicht-bindend, dennoch sind die Investitionen in die Infrastruktur für einige Zeit auf Eis gelegt.

Im Vergleich dazu weist Wien einen Modal Split von 39% für Wege mit der Straßenbahn, Bus oder U-Bahn und weitere 33% für Wege zu Fuß und mit dem Rad auf, international ist das ein sehr hoher Anteil des öffentlichen Verkehrs. Rund 28% der Wege werden mit dem PKW oder Motorrad zurückgelegt, wobei bei der Erhebung des Modal Splits der Pendelverkehr nicht erhoben wird. Mit der Smart City Rahmenstrategie wurde festgelegt, dass bis 2030 alle Abteilungen der Stadt daran arbeiten, den Anteil des Autoverkehrs in der Stadt von 28 auf 15% zu senken. Die Investition in den Bau der U5, die Verlängerung der U1, der Ausbau der Radinfrastruktur und das Prinzip der „Stadt der kurzen Wege“ (Belebung der FußgängerInnenzone, Nahversorgung in Erdgeschoßzonen, Naherholungsgebiete) sind langfristige Maßnahmen der Stadt, die erst in einigen Jahren wirken werden.

Städtische Energieziele

Im Energiebereich hat Vancouver im Frühjahr verkündet, die 100%ige Versorgung aus erneuerbaren Energien bis 2035 anzustreben, wobei dies für die Wärme/Kälteversorgung gilt. Für den öffentlichen Verkehr wird bis 2040 bis 2050 gerechnet. Wien hat sich hingegen bis 2050 nur 50 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen vorgenommen. Dieses vergleichsweise geringe Ziel ist auf die Dominanz der kalorischen Stromgewinnung in der Stadt zurückzuführen sowie der Versorgung der Stadt mit Fernwärme, die nach wie vor zu über 80% aus nichterneuerbaren Quellen gespeist wird. Nachdem diese Strukturen in städtischer Hand sind und zudem zahlreiche Arbeitsplätze liefern, ist der Spielraum für ambitionierte Ziele eingeschränkt. Als ambitionierte Klimastadt wird sich Wien hier nicht hervortun.

Umweltschutz durch Partizipation

Vancouver verbrennt seinen Abfall nur zu einem geringen Anteil für die Energiegewinnung, überwiegend wird der Abfall in zwei Mülldeponien gelagert, die in 10 bzw. 30 Jahren gefüllt sein werden. Um die Lebensdauer dieser Deponien zu verlängern, wird die Reduktion des Abfalls propagiert. Partizipative Modelle, wie die Kampagne Keep Vancouver Spectacular oder Unterstützung von Musikfestivals mit mobilen Trinkstationen, damit keine Plastikflaschen am Gelände verkauft werden, laufen erfolgreich . In den vergangenen fünf Jahren konnte 18% Müll vermieden werden, bis 2020 sollen ambitionierte 50% erreicht werden. Local Food Initiativen kämpften im dicht bebauten Downtown Vancouvers um leerstehende Bauflächen, um dort Gemüse und Obst anzubauen (Link Davie Street). Eines der Kernanliegen des Green City Actions Plans ist es auch bis 2020 allen BewohnerInnen einen Park oder eine Grünanlage in fünf Gehminuten zu bieten. In zehn Jahren sollen dafür mehr als 150.000 Bäume in Vancouver gepflanzt werden. Als Anreiz für Private werden diese günstig von den Stadtgärten (Initiative Treekeepers) verkauft. Hier hat Vancouver im Vergleich zu Wien Nachholbedarf. Mit einem Grünanteil von 50% hat Wien wesentlich mehr Grünflächen als Naherholungsgebiete als Vancouver. Dieses Niveau will Wien trotz wachsendem Wohnbedarf auch halten.

Internationale Vernetzung

Die Stadtverwaltung von Vancouver denkt die Green City Initiative auch als Jobmotor. Green Jobs und Unternehmen, die in den Green Technologies tätig sind, sollen bis 2020 verdoppelt werden. Im Gegensatz zu Wien hat sich Vancouver zum Compact of Mayors registriert, einer UN-Initiative von 107 führenden Städten, die ihre Klimaziele verbindlich machen und nach drei Jahren evaluieren lassen.

Ziele und eine Selbstevaluierung hat sich Wien mit der Smart City Strategie auch auferlegt, wobei die Verbindlichkeit fehlt. Zudem stößt die Stadt in der konkreten Umsetzung für eine grünere, smartere Stadt auf große Widerstände (siehe Verkehrsberuhigungsprojekte). Indes wird in Vancouver auf internationale Vernetzung und Partizipation gesetzt, vor allem da die kanadische Kultur stark auf Einbindung der lokalen Community baut, ist das Bewusstsein für den Klimawandel und die Akzeptanz für notwendige Änderungen in der Stadt spürbar.

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